Auf vielfachen Wunsch der Müllreport

Teil 1 – Erzeugung

Egal was man macht, in Japan verursacht man eine Menge davon. Das liegt daran, dass die Japaner sich hart darauf flashen, alles zu verpacken was sowohl dem Schutz dessen, was da gerade verpackt wird, als auch der optischen Aufwertung dient. Unversehrtheit und Ästhetik haben in Japan einen extrem hohen Stellenwert, egal ob es um Blumengestecke, Geschenkverpackungen oder um Essen geht. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, aber beim Einkaufen nimmt das manchmal ziemlich krasse Ausmasse an.

Ich meine, dass man immer eine Plastiktüte bekommt auch wenn man nur ein Päckchen Kaugummis kauft ist eine Sache. Schokomandeln, die erst in Zehnereinheiten und dann nochmal einzeln verpackt sind schon eine Stufe derber. Grotesk wurde es dann, als ich mir neulich einen (200ml) Becher Eis gekauft habe. Zunächst beförderte die Kassiererin ein Stück Trockeneis in einer Plastiktüte hervor, die sie mit geübten Handgriffen durchlöcherte. Das Trockeneis kam dann mit dem Eisbecher in eine Papiertüte, zugeklebt mit Tesafilm und das ganze dann wiederum in eine Plastiktüte. Das ganze Gebilde stellte sie dann mit dem restlichen Einkauf in die normale Tüte….

Teil 2 – Entsorgung

Die ehrenvollsten Aufgaben die es in Japan gibt sind:

  • Vom Kaiser mit einer Mission mit nationaler Wichtigkeit beauftragt werden, bei der man auf jeden Fall sterben wird.
  • Sich auf Kosten seiner Familie und des eigenen Lebens für die Firma aufzuopfern in der man beschäftigt ist (Normale Arbeitszeit + 50 Stunden unbezahlt).
  • Dafür Sorge zu tragen, dass der Müll ordnungsgemäß sortiert und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Abholung bereit gestellt wird.

Letzteres war letzte Woche meine Aufgabe – die ich mit Hilfe der folgenden, in unserer Küche aushängenden Sortierpläne angegangen bin: 1. How to put out Garbage. 2. How to Seperate and Dispose of Recycable Resources and Garbage. 3. How to dispose Large-sized Waste. 4. Correct Ways of Dividing and Disposing Recycble Items and Waste. 5. Garbage Seperation for Kameari. 6. The Garbage Roster Sheet… Hinzu kommen noch diverse Hinweisschilder und Erklärungen – naja, so spart man sich wenigstens die Tapete.

Stark vereinfacht gibt es folgende Kategorien: Brennbar, nicht-brennbar, Papier (aber nicht gut erhaltene Zeitschriften) Dosen, Glas, Plastikflaschen (ohne Etickett und Deckel) und natürlich Batterien, Spermüll, Grünabfälle etc. Je nach Kategorie muss das ganze dann an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit auf die Strasse gestellt werden – man darf dafür allerdings nicht die unzähligen Plastiktüten verwenden die man beim Einkaufen bekommt sondern muss sich die offiziell geprüften und genehmigten Müllsäcke kaufen.

An den Müllsammelpunkten stehen dann ehrenamtliche Helfer in einer Art Fantasieuniform (manchmal muss es auch eine Schärpe tun) und überprüfen genauestens, ob man seine Verantwortung gegenüber dem Vater- bzw. in meinem Fall Gastland auch nachgekommen ist. Wahrscheinlich wäre ich umgehend dazu aufgefordert worden rituellen Selbstmord zu begehen, um meinen Namen von der Schande die auf mir lastet wieder zu reinigen, wenn sie das bei mir auch getan hätten – allerdings war dem nicht so.

Der Franzose und ich haben uns nämlich überwunden und Küche sowie Kühlschrank ausgemistet – weswegen wir es mit den Kategorien nicht ganz so genau genommen haben (hättet Ihr vielleicht einen mit Fisch gefüllten Reisbollen, der schon seit drei Monaten abgelaufen ist, vor dem Entsorgen ausgepackt?). Leider hat dann unser dritter Ex-Mitbewohner dann die Woche zuvor vergessen den ganzen Schois auch rauszustellen, als er an der Reihe war.

Die Folge war, dass der mehrfach (in offiziell geprüften Säcken) verpackte Müll eine Woche rumgegammelt und pestilenzialisch gestunken hat – zudem wurde er so sehr von Maden bevölkert wurde, dass nichts mehr zu erkennen war. Ergo waren nicht mal die hartgesottennen japanischen Müllchecker in der Lage unsere Säcke genauer zu inspizieren – ha!

shu10: 1
Müllchecker: o

~ von shu10injapan am Juli 21, 2007.

Eine Antwort to “Auf vielfachen Wunsch der Müllreport”

  1. こにちわスイトハト
    möglicherweise wiederhole ich mich, aber: wie wär’s denn, deine Beiträge ein bisschen mehr mit Bildern zu bestücken – du fauler Sack! Hast doch ne Cam oder halten die Akkus nicht lange? Keine Ausreden! Zumindest das Eis umhüllt von Eis in einer Tüte in einer Tüte in einer Tüte hätte ich gerne gesehen (wenn nicht beim Ein- dann beim Auspacken)!
    Und “Fantasieuniform” hört sich auch zielmich lustig an – wann hast den nächsten Mülldienst?
    Apropos MADEN — Ana hast gestern die Quelle unseres Verwesungsgeruchs im Bad entdeckt: a birdy bzw vielmehr das, was davon übrig geblieben ist: bisschen Haut und sonst nur fette stinkende Maden. Ich durfte dafür ne Maus retten…and you mister…you killed the worm and you know it! But I forgive you…maybe ^-^
    *küsschen*

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