Ich bin der Kopfnicker…
Das Kopfnicken bzw. das Verbeugen ist ja hier so ne Sache für sich. Zum einen gibt es unendlich viele Ausprägungen, vom kurzen kaum erkennbaren Nicken bis zur tiefen Verbeugung (Beine und Oberkörper, bilden mindestens einen 90° Winkel) die minutenlang gehalten wird. Auch die Messages, die man jeweils damit kicken kann, sind höchst unterschiedlich. Klassisch ist natürlich die Ehrerbietung, bspw. wenn man jemandem vorgestellt wird oder die Entschuldigung. Zudem nickt man auch ständig wenn jemandem spricht um seinem Gegenüber zu signalisieren, dass man ihm zuhört – meist gibt man dabei im Sekundentakt Geräusche wie “nnh” oder “aah” von sich, um diesen Effekt zu verstärken. Mann nickt auch, wenn man selber spricht, um sich gleich mal prophylaktisch bei seinen Zuhörern zu bedanken dass sie sich dazu herablassen mit einem zu reden bzw. sich für die Zeit zu entschuldigen, die man ihnen im Moment klaut.
Das ganze geht einem so ins Blut über, dass man anfängt auch beim Telefonieren zu nicken, kritisch wirds erst, wenn man sich beim mail schreiben dabei ertappt. Vielleicht ist das ständige Verbeugen auch der Grund, weswegen Japaner in der U-Bahn gewöhnlich nicht reden oder telefonieren, denn man würde ja ständig mit den Köpfen aneinander stoßen. Apropos, wie bereits befürchtet hat das benutzen des öffentlichen Nahverkehrs endgültig seinen Reiz verloren, deswegen werde ich nun zum letzten Mal darüber schreiben. Es folgt eine Kategorisierung der verschiedenen Plätze in einer japanischen U-Bahn:
Kategorie 1, Sitzplatz: Die Wahrscheinlichkeit einen solchen zu bekommen ist ungefähr so groß, wie eine Sechser im Lotto oder von einem Asteroiden erschlagen zu werden. Zumindest wenn man sich nicht an dem Todesrennen auf jeden freiwerdenden Sitz beteiligt. Man muss dabei ohne Rücksicht auf Kollateralschäden an Passanten, welche man gnadenlos zur Seite moscht, auf den Platz zupreschen und kommt höchstwahrscheinlich gleichzeitig mit drei zu allem entschlossenen Japanern dort an. Wer gut in “Reise nach Jerusalem” war hat dann, mit seinem massigen Westeuropäischen Körper, die Chance den eigenen Allerwertesten zwischen die der Japaner zu bekommen – schon sitz man. Eine Verbeugung im richtigen Winkel und alle werden so tun als ob nichts gewesen sei…
Kategorie 2, Stehplatz vor den Sitzreihen: Hat den Vorteil, dass man seine Tasche auf dem Gepäcknetz ablegen kann und dass man zumindest von einer Seite nicht hart bedrängt wird. Zudem gibt es die Möglichkeit sich festzuhalten – man kann unter Umständen sogar lesen!
Kategorie 3, Stehplatz in der Ecke seitlich von der Tür: Vorteil ist hier, dass man sich am Griff neben der Tür festhalten kann und gewissermassen den Rücken frei hat. Nachteil ist, dass man mit jedem der sich in die Bahn rein- oder rauswälzt notgedrungen recht engen Körperkontakt bekommt.
Kategorie 4, Stehplatz in der Mitte des Eingangsbereichs: Man kann sich nicht festhalten und wird gnadenlos rumgeschleudert und an jeder Station drängeln sich Leute an einem vorbei, die aussteigen wollen oder die lächerliche Hoffnung haben einen Platz in einer besseren Kategorie zu bekommen. Kleines Trostpflaster: man steht direkt unter der Klimaanlage.
Jetzt aber genug davon – ich werde höchsten mal noch n paar Bilder nachschieben. Irgendwie nehm ich das Bahnfahren auch in Kauf, denn mein Praktikum gestaltet sich sehr cool. Ich muss keine Idiotenaufgaben machen und muss auch auch nur vier Tage die Woche arbeiten. Allerdings muss ich meine eigenen Research-Aktivitäten dafür auf die Wochenenden verlegen, die ich bis jetzt aber natürlich eher damit verbracht habe in Tokyo abzuflashen.
Eine Welcome-Party für mich hats auch schon gegeben, wir sind da in ein Restaurant, wo man, wenn man etwas isst, Nomi-Hodai ordern kann. Dies ist eine sehr feine Einrichtung, die es fast überall in Japan gibt, in Deutschland allerdings unmöglich wäre. Man bezahlt einen bestimmten Betrag (meist zwischen 10 und 20 Euro) und kann dafür eine bestimmte Zeit oder sogar den ganzen Abend umsonst picheln – Bier, Wein, Sake, Whiskey und vieles mehr. Schwer zu sagen, wieviel ich getrunken habe, denn sobald man einen Schluck genommen hat, schenkt einem der Tischnachbar sofort wieder nach – mein Kopf am nächsten (Arbeits-) Tag sprach jedoch für nicht allzu geringe Mengen.
Was die zahlreichen Bestellungen für einen Wasserhahn-Wackelpinguin angeht kann ich nur sagen, dass ich mein Bestes geben werde. Allerdings ist das Modell, genau wie alles andere hier im Haus mindestens 30 Jahre alt, inzwischen sind die Wasserhahnaufsätze wahrscheinlich vollelektronisch und können mehr als deutsche Handys – falls sie ungebetene Tiere fernhalten können werde ich mir allerdings sofort einen kaufen. Mäuse gibts ohnehin bei uns, da ist es ganz praktisch, dass immer wieder Katzen durch die Fenster kommen um unsere Küche zu plündern. Heute morgen hab ich auch die erste Kakerlake im Bad gesehen – sie starb eines grauenvollen Todes….muahahahh.

…babes, du weisst ja, das unter dem Panzer von Kakalaken aberhunderte kleiner feiner Eier sitzen, die nur darauf warten, dass so ein Horst wie du sie mit deinen dunkelblauen Pantoffeln zermoscht um dann die kleinen Babys überall in der Wohnung zu verteilen, wo sie wie im Film Joes Appartment gedeihen, deine Sprache lernen und dir irgendwann auf deiner Pizza rumtanzen werden..Guten Appetit…Ich empfehle DOOM..dieses Mittel mit dem vielversprechenden Namen gab es in Südafrika frei verkäuflich, in Japan muss man das wohl bei seine Kugelfisch- und Walfleischhändler unterm Ladentisch mitgehen lassen…HUG
Da bin ich ja froh, dass ich nicht besagte Pantoffel verwendet habe. Punkt A ist das die Klopantoffel, wenn man die aus selbigem entfernt ist das für einen Japaner ungefähr so wie wenn Du in Europa jemandem in den Stiefel scheißt. Punkt B hatte ich keinen Bock am fühen Morgen Kakerlaken-Sippsche vom Boden zu entfernen, deswegen wollte ich sie eigentlich mit nem Glas fangen – dazu war sie natürlich viel zu flink bzw. ich viel zu träge.
Lustigerweise ist sie bei der Flucht in einer Ritze steckengeblieben. Die Gelegenheit habe ich natürlich genutzt und sie mit dem Wasserstrahl der Dusche traktiert, den ich dank der elektronischen Steuerung komfortabel immer heißer stellen konnte. Als sie dann irgendwann nicht mehr gezuckt hat hab ich den Druck erhöht und sie in den Abfluss gespült.
Also falls sie das überlebt hat, hat sie hoffentlich ihre Lektion gelernt….
ney ney ney wat bisse nur für n plietscher kerl! gepriesen sei die Multi-Temperatur-Powerdruck-Dusche… und das mit der Klopantoffel meinen die ja wohl nicht ernst, oder? Benutzt ihr alle die selbe?…igittigittiiii
Jawohl! Du hast Kriechtiere trotz Industrieland – es gibt doch noch Gerechtigkeit. Von wegen Bestellungen habe ich da einen anderen Wunsch: Ich hörte mal von WC-Spülungen, die jegliches WC-Papier überflüssig machen. Das würde ich gerne mal ausprobieren. Also für mich bitte keinen Wackel-Pinguin. Und immer munter weiter machen…